LL Aktuell

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Geschichten und andere Geschichten

Sunday, February 6, 2011

Bonn, Ankunft, abends. Schön!

Meine Güte ist das eine schöne Stadt.

Richtig schöne Stadt
Diese Altbauhäuser aus der Jahrhundertwende (oder?), gerade Straßenzüge, viele viele Bäume, kein Graffitti, Hundedreck oder normaler Dreck. Dazu war es heut schön hell als ich reingefahren bin, blauer Himmel und angenehmes Wetter, also auch angenehm zum draußen rumlaufen.

Bin heute eben angekommen um vier Uhr nachmittags, nachdem ich mich erstmal sehr gut mit jemandem im Zug unterhalten habe, der lange Entwicklungshelfer im Ostblock war. Dann hab ich meinem Kontakt (Aline) im Studentenwohnheim Bescheid gegeben und bin da hingefahren mit der Linie 61 zur Weberstraße. Das ist noch ziemlich zentral, zwei Stationen vom Hauptbahnhof entfernt, und auch sehr städtisch geprägt, einige Boutiquen, Cafe's, Läden.
Orchidee auf Reisen
Aline hat mir dann die Tür geöffnet und mir das Haus gezeigt - hier lässt sich leben. Auch Altbau, nur leider nicht renoviert, aber das ist mir ja doch eher egal für die zwei Monate. Dafür hohe Decken und helle Zimmer. Auf drei Etagen leben jeweils zehn Leute in WG's mit zentraler Küche und Duschen. Ich lebe erstmal im Gästezimmer im Keller, das ist ein bißchen karg, aber dank mitgebrachter Orchidee ganz hübsch. Die fügt sich wirklich gut ein, weil daneben orangene Plastikblumen stehen, und das macht sich farblich gut. Allerdings kann ich das erst morgen fotografieren, heute ist es schon dunkel.

Überirdisch (gute) Ubahn
Ein bißchen spazieren war ich auch schon, einmal zum Hauptbahnhof und zurück. Zu meiner Überraschung gibts hier ganz klassische Bahnübergänge mitten in der Stadt, wo die Ubahn oberirdisch (schlechter Wortwitz Nummer eins! Beim zehnten gibts was Besonderes!) durch die Stadt fährt.

Viel Gepäck
Anbei: Die Fahrt her war übrigens kein Problem, pendeln mit dem ICE ist schon ziemlich angenehm. Der Anschlusszug in Frankfurt hatte zwanzig Minuten Verspätung, aber das machte nix, weil ich ja einen angenehmen Gesprächspartner hatte. War halt viel Gepäck, aber das lässt sich bei einem repräsentativen Praktikum einfach nicht umgehen, zwei Anzüge, zwei Kleider, zwei Blusen, schöne Pullis - und dann ist noch kein Sportzeug und keine praktische Klamotte dabei. Ich hab übrigens nur ein einziges Buch dabei, den Crisis Caravan von Linda Polmann. Dafür hat mir einer der Haus schon ein Anschlussbuch in Aussicht gestellt, Die unterste Milliarde von Paul Collier über die vier Fallen in die ein Staat tappen kann und in die Entwicklungsstaaten natürlich dauernd tappen. Ziemlich spannend soweit ich das bisher weiß, hängt ja auch wieder damit zusammen, dass Kriege in Afrika ansteckend sind und gerade Bürgerkriege Dauerzustand die sich selbst nähren, das unterminiert die Staatlichkeit langfristig, sorgt für mafiöse Strukturen - vicious circle. Man sollte Alex de Waal und Herfried Münkler nicht hintereinander lesen, das macht hoffnungslos.

So, alle, die sich nicht leidenschaftlich gerne mit Kriegen auseinandersetzen habe ich jetzt verloren, daher schnell zu etwas Banalem:

Die ersten vier Personen, die ich hier kennenlernte, fingen mit A an. Ich dacht schon, die geben die mir sortiert, ehrlich, erst Aline, dann Anna, dann Aka, dann Annika. Danach kamen noch Christoph und Matthew Gott sei dank, dann Nils, Ebba, Sebastian, Slawa, Mirle - ich glaub das wars. N paar Gesichter hab ich noch gesehen, aber da weiß ich die Namen nicht.

Überhaupt, sehr viele sehr hilfsbereite, nette Menschen. Gott sei dank. Um die Ecke gibt es auch einen guten Dönerladen in dem die Lahmacun tatsächlich als türkische Pizza angeschrieben ist und in dessen Speisekarte nicht ein einziger Rechtschreibfehler oder eine Nicht-deutsche Bezeichnung für ein Gericht. Das war ganz ungewöhnlich. Aber gut!

Zu den sonstigen Unterschieden zählt übrigens, dass die Bonner glaub ich nicht so glücklich sind darüber, dass alle Ausländer denken, dass Bayern/ Oktoberfest Deutschland ist. Wenn ich hier Werbung laufen will für die Wiesn (und ich will, natürlich, ist ja die Wiesn!) dann muss ich hier wohl Karnevalen - ich hab ein bißchen Angst, aber es wird schon gehen. Eine bunte Perücke, etwas Glitzer und ne Federboah wird drin sein auch wenn mir grad ganz anders wird. Alternative wäre glaube ich der gesellschaftliche Tod, und das kann ich nicht riskieren für zwei Monate.

Soweit - morgen mehr von der Arbeit, um zehn dreißig geht es los, davor muss ich noch zum Hauptbahnhof wegen Monatskarte und dazu muss ich vorher rausfinden, wo genau ich morgen hin muss. Das sollte ich anbei sowieso. Also trinke ich jetzt noch nen Tee vorm Computer und geh dann schlafen, ich bin nämlich furchtbar müde.

Wer will kann mir übrigens Briefe oder Karten oder beides oder garnichts davon schicken an mich im Adolf-Clarenbach-Haus in der Goebenstraße 32, 53113 Bonn

Telefon geht, ich ruf gerne zurück hab ja ne Festnetzflat.


Bis dann!

1 comment:

Franziska said...

Du hast mein Buch dabei! (freu) Ich fühle mich geehrt. Als einziges! Und auch die Fortsetzungslektüre klingt spannend - so formuliert klingts wie ein Thriller - also, so als Zweitkarriere: Übersetzten der internationalen Politik für die breite Masse; man muss es nur zu be/schreiben wissen.
Freu mich auf Deinen Faschingsantritt - lass mich an der Kostümfindung teilhaben!
Jetzt noch ein bisou und:
Gute Nacht
f