Herzlich Willkommen! Dies ist der Blog von LL Aktuell. Er umfasst viele Themen wie Erlebnisse in Bonn und erste Schritte ins Arbeitsleben, Geschichten die LL verfasst hat und ähnliches. Er ist persönlich und dient nur der Unterhaltung.
Monday, June 18, 2018
Mundgeruch
Soll ich ihm sagen: geh zum Arzt. Dein Körper spricht, er warnt! Gib Ruhe, lass dich untersuchen. Mach eine Kur. Schlafe viel. Iss weniger, aber besser. Geh spazieren. Setze dich auf eine Bank und schaue auf den Horizont. Lass deinem Körper Zeit, sich zu erholen. Mach ihm währenddessen nicht noch mehr Arbeit mit schlechtem Essen, Giften wie Alkohol und Zigaretten, und Stress. Oh dieser Stress. Wann kippt Beschäftigung und Bewegung in Stress? Bei der 150sten Fahrt von München nach Frankfurt? Der 200sten? Dem 745 Konferenz-Call um acht Uhr in der Früh? Wann kippt es? Wann bricht der Körper und sagt: bisher hat es mir Spaß gemacht, ab heute läuft es schief. Bis hierher hat es mir Energie gegeben, mich motiviert, mehr Kraft aufgebaut als es gekostet hat, aber heute schlägt es um. Ab heute zehrst du von dem, was du aufgebaut hast in den Jahren. Und was war das? Feines Obst und Gemüse mit vielen Vitaminen, Haferflockenfrühstück, Sonnenstrahlen, Spaziergänge, frische Waldluft oder Meeresbrisen? Oder war es doch künstlicher Zucker? Säure in Kaffeeform? Fettreiche Kondensmilch, die ein Jahr haltbar ist? Was ist denn ein Jahr haltbar, was aus der Natur entnommen wurde? Das ist nicht normal, nein. Du musst erst das lebensnahe entfernen, damit es haltbar ist, das lebensnahe ist das, was sich weiter entwickelt und weiter wächst. Wenn du es entfernst, macht es dich auch ein Jahr später nicht mehr krank. Wie Kondensmilch. Oder Milchpulver das für Kaffeevollautomaten genutzt wird. Auch Zucker macht haltbar, tötet das lebensnahe. Zucker macht alles besser, wenn man nicht kochen kann, dann besonders. Und das passt gut zu fettigem Schweinefleisch, in Soße. Und das gute Bier. Da kommt dann der Alkohol dazu, ja, das Gift das wir alle so lieben.
Wir wissen beide, du und ich, wir Nachbarn im Zug, wir wissen beide, dass es vor allem Letzteres war, was du dir zugefügt hast, nicht feine gesunde Nahrung und Bewegung, sondern vor allem Fett, Zucker, Säure, Gift. Davon zehrst du jetzt. Dein Körper kann nicht mehr, geht an seine Reserven, und siehe, die Reserven sind schlecht. Beim verarbeiten stößt es übel auf. Den schlechten Geschmack hast du im Mund, und ich in der Nase. Es ist so offensichtlich, dass du krank bist. Aber noch nicht so schlimm, dass du dich nicht mehr bewegen kannst. Nich kannst du rennen und es ignorieren.
Du steigst also aus, und hastest weiter. Früher hat es auch funktioniert. Es wird noch ein Weilchen so weiter gehen. Morgen dann, morgen gönnst du dir eine Pause. Aber morgen ist Konferenz mit dem Minister, da geht es nicht. Übermorgenalso. Übermorgen. Vermutlich, wenn nichts dazwischen kommt, aber auf jeden Fall bald. Was ist denn ein Tag oder der andere, du machst es ja bald, das ist doch, was zählt. Jetzt erstmal los.
Du steigst aus, und nimmst deine Fahne mit wohin du gehst, hinter dir her ziehst du sie mit dem üblem Geruch der dich verfolgt wie eine Giftwolke.
Friday, May 10, 2013
N D
Aber anonyme Kommentare? Sind wir soweit, litearische Untiefe mit verbalen Tiefschlägen zu quittieren?
Sei's dru, ich weiß es ja alles, selber besser. Der Kick, der mir fehlte, kam von außen. Solang er nur kam.
's ist Zeit, wohlan. Was lange fehlte, nimmt jetzt Schwung um mit frischer Kraft einzumotten, was da solange schon brökelt. Was einmal Granit war zeigt sich heute als poröses Leerwerk. Schwer wird es nicht, das zum Einstürzen zu bringen. Eine fremde Zeile reicht.
Keine bücherdicken Ausdrucke, die in klitzekleines Konfetti zerissen werden, nein, wenn soviel Esprit noch wäre, gäbe es ein Weiter.
Ein paar Danksagungen, das ja. Gut war es, schön, wieder zu lesen, viel fixierte ewige Erinnerung, denn das Inrternet vergisst nicht. Danke vor allem an dich, denn ohne dich wäre nichts aufgebaut.
Auch ein Schuldeingeständnis, wohl angebracht. Ich zeigte die kalte Schulter, wurde bequem, fett, wie Rom. Wohlstand, du alte Sau.
Zum Abschied ein paar Fotos, etwas Musik
Versprochene Bilder:
![]() |
| Alltag |
![]() |
| Drache |
![]() |
| Droge |
![]() |
| Grund |
| |
![]() |
| Nicht vergessen! |
![]() |
| Wegweiser |
Damit wars das.
N D
Saturday, April 27, 2013
Smalltalk ist ein Vertrauensbeweis an die Fremde
Zwei Stunden Fitnessstudio, eine Stunde davon auf dem Fahrrad, eine auf dem Crosstrainer;
Dabei fernsehen; Ich habe keinen Fernseher, ich gehe zum Fernsehen ins Fitnessstudio. Man kann nur gucken solange man tritt. Sonst geht der Strom aus und man hört keinen Ton mehr. Die Bildschirme laufen weiter, acht haben sie, wo 24 Stunden jeweils der gleiche Sender läuft. Zumindest glaube ich das. Ich war noch nie 24 Stunden lang dort, aber das Studio hat 24 Stunden geöffnet.
Mein Freund schrieb eine SMS, als ich gerade durch die Tür ging um nach Hause zu gehen. Das nenne ich Timing. Leider reagierte er nicht auf meine Antwort. Aber morgen ist auch noch ein Tag. Zumindest weiß er, dass es mir gut geht, wenn er morgen aufwacht. Ich hoffe, er wacht gut auf.
Daheim angekommen, setzte ich mich auf die Dachterrasse. Der Mond zog mich an. Er ist rund und voll. Kleine Schleierwolken umranden ihn. Nach einer Weile innehalten kamen die Geräusche der Nacht zu mir. Reudige Katzen, die einsam ihren Jammer in die Welt schreien. Fernes Autorauschen. Und der unvermeidlich-kitschige Wind in den Blättern.
Gut, wenn ein Wetterbericht einmal nicht recht hat. Er sagte: Regen. Er sagte: kalt.
Das heben wir uns mal schön für morgen auf, frühestens. Wir hatten drei Tage schönes Wetter, am Stück. Gestern konnte ich sogar ein Kleid tragen, ohne Strumpfhose. Drei Tage, nach einem erbarmungslos langem Winter. Und ich meine Winter - vor drei Wochen hat es noch geschneit, und jetzt haben wir bald Mai. Wenn man so einen bösen, grauen, kalten, verschneit-vermatschten Winter so lange um sich hat, muss man einfach vom Wetter reden. Auch, wenn es das langweiligste Blogthema überhaupt ist.
Oder anders: Wenn man sich solange nicht gesehen hat wie wir uns, dann redet man wohl unvermeidlich über's Wetter. Erbärmlicher kleiner Small-Talk, den ich da führe. Wie jeden Tag in der Arbeit, mit diesen Kollegen, die man immer nur ganz kurz die Woche sieht. Nein, nicht erbärmlich, der Small-Talk. Gutes Bindemittel mit Fremden, die man gerne zu Freunden machen will, weil man davon ausgeht, dass sie nett sind. Also ein Vertrauensbeweis in die Fremde. Fremde im Sinne von Fremdheit.
Blogschreiben ist leichter auf Reisen. Natürlich besonders einfach, wenn man konkret reist, zum Beispiel nach Kalifornien. Zumindest wenn man die Zeit dazu hat. Aber auch auf übertragenen Reisen ist Bloggen viel einfacher. Zum Beispiel auf der Reise in die Berufstätigkeit, wie in Bonn. Da ist Bloggen einfach mal kein Problem, ja, im Gegenteil, es verbessert das ganze Geschehen.
In München bin ich angekommen. Schon als ich in München ankam, war ich eigentlich angekommen. Seit ich aber Bruckengangsterin bin, hab ich auch ein Zuhause. Mit Garten und Tandem und Gartenzwerg und Garage, und mit bellendem Nachbarshund, mit gemeinsam Abendessen, mit Fahrrad vor der Tür und dem universellen Alles-Gut-Gefühl. Was soll man da schon schreiben? Alles gut?
Das ginge. Ja, das ginge sicher. Ich könnte, einfach so, jeden Tag schreiben: alles gut. Und genau da liegt das Problem, nicht wahr? Mir graut davor, es zu bestätigen, dieses abgedroschene Klischee, aber Kunst, selbst so eine banale Kunst wie Blogschreiben, bedarf einer Triebfeder. Nein, schlecht gehen muss es dem Künstler nicht, nein - wobei es hilft, garkeine Frage. Aber stillstehen darf er nicht. Und offentichlich darf es ihr auch nicht zu gut gehen. Das killt die Kreativität.
Nur: warum schreibe ich das hier dann?
Die Gläser hoch auf eine neue Sinnreise! Setzt die Segel, hebt den Anker! Wir begeben uns auf eine Reise zum Ursprung der letzten Frage.
Morgen!
Saturday, September 1, 2012
Zur Kunst
KUNSTblog, das hier ist ein KUNSTBLOG
Vorgestern war ich moderne Kunst anschauen mit der Eva, in der Sammlung Brandhorst. Da war ich zum ersten Mal. Das hatte ich mir gewünscht, weil ich nämlich schon zu häufig im Deutschen Museum war. Also waren Eva und ich in der Sammlung Brandhorst. Die Sammlung Brandhorst besteht aus drei Stockwerken Moderner Kunst. Unter anderem hängt im obersten Stock ein Riesen-Gemälde-Werk von einem Künstler namens Twombly, der auf zwölf überdimensionierten Leinwänden die Schlacht von Lepanto darstellt. Es ist blau mit roten Klecksen und schwarzen Strichen. Das sind brennende Schiffe und normale Schiffe. Warum sich ein Künstler dieses Motiv aussucht war uns ein Rätsel. Wenn ich als Künstler schon zwölf Riesen-Leinwände mit Farbe bepinsle, würde ich doch vorschlagen, dass man ein Motiv sucht, das nicht schon hunderte von Künstlern vor einem gemalt haben, und vor allem so, dass man die Schiffe tatsächlich erkennt, und die Flammen! Eva und ich waren uns auch einig, dass vor allem zwei Bilder nicht recht in den restlichen Zyklus passten. Sie waren auch blau - blau für Wasser, Seeschlacht von Lepanto, ja? - und draufgemalt waren dann Halbkreise mit ein paar Strichen. Das waren Ruderschiffe, das ist völlig logisch, Ruderschiffe eben. Aber die anderen Bilder waren eben deutlich bunter, und irgendwie liebevoller, diese bunten Feuerflecken, da sah das Bild auch viel voller aus. Und diese beiden - Naja, also der Xaver, der Sohn von der Eva, bekäme das auch hin, versicherte mir die Eva. Xav ist knapp ein Jahr. Wir sollten ihm zum Geburtstag unbedingt eine überdimensionierte Leinwand und Wasserfarbe schenken, vielleicht finanziert er sich damit seine Ausbildung. In Harvard. Auf jeden Fall ist das prekäre an der Seeschlacht ja eigentlich: Es ist das Kernstück der Sammlung.
Auf den drei Ebenen haben wir dann aber doch ein, zwei Sachen gefunden, die uns wirklich gefallen haben. Zum Beispiel von einem Georg Herold große Pinselstriche in wunderschönen Farben nebeneinander aufgereiht. Also die Pinselstriche sind gut zweieinhalb Meter hoch und einen breit, und sie hängen da nebeneinander in den schönsten Farben: blau, lila, pink, grün, so ein sattes, helles Grasgrün, gelb und verschiedene Ockerfarben, ganz wunderschöne Farben einfach. Damit das ganze etwas Struktur kriegt und Farbtiefe, hat der Herr Herold dann noch Kaviar verteilt auf den Farbstrichen, die sehen so aus wie Luftbläßchen in frisch aufgetragener Farbe. Ganz hübsch, wirklich. Hier ist das Gelbe:
Auf der unteren Ebene, also im Keller der Sammlung, fanden wir dann noch einen Medizinschrank mit tausenden von Pillennachbildungen, alle bunt und irgendwie besonders. Das war ein Werk von Damien Hirst, der definitv ganz was besonderes ist, dieser eigenartige Mensch, der Tigerhaie in Formaldehyd einlegt. Wobei, das ist nicht ganz richtig, eigentlich war es nur ein Tigerhai. Trotzdem, eine seltsame Sache für einen Menschen zu tun. Wir haben uns auf jeden Fall recht begeistert diese Pillen angeschaut.
Der schönste Raum ist aber doch auf der oberen Ebene. Er hat mehrere Ledersessel mit kleinen Tischchen, die vor einer Glasfront positioniert sind. Die Glasfront zeigt auf den Rasen vor der Pinakothek der Moderne gegenüber der alten Pinakothek. Da saßen wir dann und blickten auf den Rasen und dachten uns, wie unterhaltsam es jetzt wäre, wenn auf dem Rasen Gladiatoren kämpfen würden oder wilde Tiere. Es kam auch ein Hund, der schon den richtigen Ansatz hatte und sich im Boden an irgendetwas festbiss, aber er hatte keinen zum Kämpfen leider. Wunderschön war es dort, wirklich wunderschön.
Letztes Highlight war wohl der Staubsauger, in den der Künstler mehrere Schläuche extra auf gesteckt hat. Er war auf ein Metallgestell drapiert, das etwas verrostet aussah. Der Clou ist aber der Kassettenrekorder, den der Künstler hineingetan hat, weil dort ein Band abgespielt wurde, auf dem eine Rede zu entarteten Kunst gespielt war - auf Sächsisch! Die Künstler haben sich beim Aufsprechen ebenso amüsiert wie wir beim Zuhören. Wir haben wirklich sehr viel gelacht in diesem Museum. Ob wir das Prinzip richtig verstanden haben, darf bezweifelt werden, aber das macht nix.
Danach sind wir noch spazieren gegangen über den Viktualienmarkt, wo wir natürlich Eingelegtes gekauft haben (Oliven, Artischocken, Pilze, allderlei). Zum Abschluss sind wir auf den alten Peter gestiegen, haben uns umgeschaut und fanden München wunderschön von oben. Ist es auch.
Wednesday, August 29, 2012
Der braucht n bißchen Leim
Beziehungsweise wurde sie geplatzt. Wenn eine Bombe in die Luft gesprengt wird von einem Sprengmeister, und vorher Stroh und Sandsäcke um sie rum aufgetürmt wurden, dann ist das nicht so schlimm. Da brennen nur ein paar Dachstühle ein bißchen, und die Fenster fliegen raus wegen der Druckwelle.
Die Leute, die von Ferne zugeschaut haben und ein Video gedreht haben, die haben sogar gejohlt als sie die Explosion gesehen haben.
Das find ich makaber. Man muss jetzt kein Grüner oder Pazifist sein, aber die meisten Menschen in Deutschland sind eher gegen Krieg. Für mich hat diese 250 Kilo Fliegerbombe aus dem Zweiten Weltkrieg die Kriegssituation sehr gut wiederbelebt: Dicht besiedeltes Gebiet, dicht bebautes Gebiet, und eine riesige Bombe, deren Lichtkegel zehnmal größer ist als alles, was ich bisher gesehen habe. Nur diesmal wurde jeder Bewohner im Umkreis eines Kilometers evakuiert, und die Baustruktur der umliegenden Häuser ist um einiges stabiler, und es ist nur eine Bombe, und nicht dreißig. Ein weiterer großer Unterschied von damals und heute: heute können wir noch viel größere, bösere Bomben bauen.
Was mich aber wirklich zum Denken bringt über Krieg ist die Kombination dieser Fliegerbombe - die prekärerweise unter der Schwabinger Sieben lag, wo mein Vater schon hinging im Studium, und eine meiner Gutesten ständig war - neben dieser Bombe bringt mich auch das letzte Wochenende stark ans Denken an Krieg. Da haben wir nämlich einen Campingplatz gesehen, der sehr stark nach Feldlager im Krieg aussah. Schlammmassen wo man hinsah, übelkeiterregender Geruch nach menschlichen Exkrementen, Menschen, die völlig verschmutzt und ohne Schuhe durch wadenhohe braune Lachen Brackwasser gingen, taumelnde Menschen, wankende Menschen, Menschen die alleine nicht mehr gehen konnten, und darüber Gegröle, das leicht Schmerzensschreie hätten sein können. Es war das Chiemsee Reggae Festival, und auch wenn es gerade nicht so klingt, hat es echt Spaß gemacht, denn: wir haben ja nicht auf einem Campingplatz geschlafen.
Statt dessen haben wir bei jemandem geschlafen, der mir am nächsten Morgen erklärte, meine Kopfschmerzen stammten von Sonneneruptionen, die gerade besonders stark seien, weil die vielen Alienschiffe, die gerade um die Erde liegen, dauernd in die Sonne fliegen. Daher meine Kopfschmerzen am Folgetag eines Festivals, auf dem ich gut einen dreiviertel Liter Wodka Orangensaft getrunken habe! Als ich das dann wusste, waren meine Kopfschmerzen schlagartig weg. Danach hat er uns dann noch erzählt, dass es eine Familie gäbe, die das Geld auf der ganzen Welt druckt und beherrscht, bis auf vier Länder, die jetzt gerade angegriffen werden. Diese Länder sind natürlich überhaupt wunderbare Länder und die Machthaber foltern ihre Bürger auch garnicht (meinte dieser Mensch weiter). Die Familie, die das alles kann seit Jahrhunderten schon, das ist natürlich die Familie Rothschild. Ihr hattet es schon vorher erraten? War zu einfach, oder? Ja, wer an Sonnenerruptionen glaubt anstatt an Alkohol-Kopfschmerzen, der glaubt auch an die Rothschilds, es war tatsächlich zu einfach.
So kommt man von Krieg zu Krieg zu Krieg. Es sind kriegerische Wochen.
Dennoch will ich nicht inne halten und Frieden finden. Einerseits habe ich immer noch meinen Lauf, andererseits habe ich Angst davor, stehen zu bleiben. Etwas ist hinter mir her, etwas großes, ungeheures, und es wird mich verschlingen wie der Matsch auf dem Festival wenn ich stehen bleibe, wird mich in Fetzen reißen wie eine Fliegerbombe, und niemand wird mir helfen können, denn im Weltall bei den Aliens hört niemand dich schreien. Vielleicht ist Friede nicht automatisch Ruhe, vielleicht ist Ruhe auch manchmal der Krieg. Wie wäre es, wenn wir den Stillstand zum Krieg erklären und den Lauf zum Frieden? Lasst es uns umdrehen: Laufet hin in Frieden.
Saturday, August 11, 2012
Erste-Welt-Probleme (und Lösungen)
| In Spanien kann man zur Sonne fahren und sich dort treffen |
Heute habe ich einen Lauf. Es funktioniert alles, wirklich alles, fast genau so wie ich es haben wollte. [Deswegen habe ich gerade fantastische Laune, obwohl das eigentlich ein bißchen pervers ist.]
Es lief wirklich alles sehr gut heute. Morgens konnte ich erstens ausschlafen und zweitens noch entspannt eine halbe Stunde "Friends" sehen bevor ich aufstand. Hannah war gerade auf dem Weg zum Bäcker und brachte mir eine Semmel mit. Der Fahrradladen um die Ecke, zu dem ich nach einem Frühstück im sonnigen Garten fröhlich spazierte, hatte offen. Er tauschte mir den Schlauch, den ich letzte Woche kaufte um festzustellen, dass er nicht in meinen Reifen passt, kostenlos um. Danach startete ich mit dem Firmenwagen und Nick das Auto meiner Mutter, das ich als meines betrachten darf. Das bringt mir nicht nur ein Auto ein, sondern auch eine Versicherung die bei etwa fünfzig Prozent liegt. Mit selbigen Auto fuhr ich schließlich erst zu einem Tanzsportladen, der leider geschlossen war. Allerdings machte das nichts, weil dort ein anderer Sportladen war, der Gymnastikschuhe hatte, und andererseits mein Tätowierer, der mir irgendwann meinen Drachen nachstechen darf. Er ist so farblos und garnicht mehr so beeindruckend. [Ich habe ein bißchen Angst davor, daher ist es ganz gut, dass Ralph eh erstmal ausgebucht ist bis nächstes Jahr. Bis dato habe ich vielleicht weniger Angst. Damals hat es schon höllisch weh getan.]
Vom Laden im Nordwesten in München fuhr ich in den Südosten zu einem anderen Laden namens British-allsorts. Dort kaufte ich für einen Kollegen zwölf Packungen Hobnobbers Milchschokolade, für mich Tee, Senf und Orangenmarmelade und unterhielt mich wunderbar mit dem Shopkeeper auf British English. [Don't you just love that if somebody talks a decent English with a lovely accent? Well, I do, don't I, especially British English. There's just something special about it, no?]
Auf dem Nachhauseweg fuhr ich schnell noch am Aldi vorbei, machte WG-Einkäufe und versorgte mich selbst für die nächste Woche; ein Luxus, den ich noch nie in meinem Leben in einem Einkauf selbst erledigen konnte. [Normalerweise hätte es mir die Arme abgerissen oder zu schweren Fahrradunfällen geführt, oder beides, spätestens durch den Unfall. Diesmal aber nicht, wegen dem Auto.] Ganz entspannt fuhr ich schließlich wieder heim, traf nochmal zwei meiner lieben Mitbewohner Hannah und Nick und montierte mein Fahrrad dank und mit Mischas Werkzeug und Erklärung. [Mischa ist ein anderer Mitbewohner, der gerade mit seiner Freundin Sophia, eine andere Mitbewohnerin, an den Comer See gefahren ist. Super Idee grundsätzlich, aber trotzdem schade dass die beiden weg sind.]
Zu allem Überfluss reparierte ich dort in zwanzig Minuten mein Rad, erhielt dann einen freundlichen Anruf von Mirl, die mir dazu noch einen guten Kochtipp gab und aß später deliziös Lachs mit Pfifferlingen. Derweil meldete sich ein Freund von mir und bestätigte Tanzen heute abend, so dass ich nach diesem Blogeintrag, der auch noch auf dem Tagesprogramm stand, kurz abwaschen werde, mich umziehen und dann Tanzen fahren mit meinen neuen Schuhen. Das ist etwas, worauf ich mich wirklich sehr freue!
Kurz: es ist ein wunderbarer Tag. Alles läuft richtig. Das macht mich glücklich. Wenn irgendwas davon anders gelaufen wäre, wäre ich sicher nicht so glücklich wie ich es jetzt bin. Sicher, ich wäre schon immer noch entspannt und okay. Aber diese satte Zufriedenheit, die ich jetzt gerade in diesem Moment empfinde, während ich diese Zeilen tippe - an unserem Küchentisch am Fenster, mit Blick auf einen Apfelbaum und es ist einfach alles in Ordnung - diese Zufriedenheit hätte ich bestimmt nicht.
Und da liegt doch der Hund begraben: Ist es nicht pervers, dass wir Luxus-Wessis so verwöhnt sind, dass uns so etwas wie falsche Schuhe zum Tanzen, eine verblasste Tätowierung oder kein Englischer Senf tatsächlich die Laune beeinflussen können? Ist das nicht wirklich ein bißchen pervers?
Das nächste Mal, wenn es mir die Laune verhagelt, sehe ich mir die Madrid-Bilder an und erinnere mich daran, dass ich eine wunderbare WG habe mit sehr netten Menschen, dass ich einen wunderbaren Freundeskreis habe in Deutschland verstreut, dass ich eine weitgehend gesunde Familie habe, die mich liebt, und dass ich gefälligst aufhören soll über Kleinigkeiten zu jammern. Weil, auch wenn man das mal darf, ist es doch total überflüssig und verdirbt einem nur die Laune.
| Der Bayernshop am Hauptbahnhof ist größer |
| Schnickschnack-Laden |
| Hello Kitty hat ihren Kopf abgesetzt |
| Tauben auf allen Köpfen |
| Gleich packt er alles ein und rennt davon |
| Straße |
| Traumhaftes Wetter |
| Mercato San Michele - so gut! |
| der große Platz |
| Hello Kitty und Michelangelo mochten sich sehr gern |
| Carmen! |
| schon ein bißchen wie Märchenschlösser ... |
| diese Gebäude der Spanischen Bank :D |
| Schwein mit Apfel ... |
| verzehrt auf der Dachterrasse des Thyssen-Bornemisza |
| Vor dem Reina Sofia |
| Geschenkt bekommen - Kaffeelikör. Sehr köstlich |
| Harfinistin vor dem Palast |
[Natürlich ist es alles gerechtfertigt, unglücklich über Erste-Welt-Probleme zu sein, denn jeder trägt immer am Schwersten an den eigenen Problemen, und wir leben auf hohem Niveau, also müssen wir auch jammern auf hohem Niveau. Dennoch freue ich mich gerade auch an der Tatsache, dass ihr und ich uns Erste-Welt-Probleme leisten können. Wenn wir über sie nicht unglücklich wären, wären wir über schlimmere Dinge unglücklich, und das wünsche ich keinem von uns.]
Friday, August 3, 2012
Modernde Technik
Ein Handy mit Wifi, 236 Freunde bei Facebook und trotzdem keiner der einem gute Nacht sagt.
Eine Metropole voller Menschen, aber keiner der vorbeigeht, bist du.
Madrid ist eine Großstadt, und was die Großstadt hat, das hatt' ich auch, schon im Mutterbauch.
Sonst will man mit jemandem reden oder Händchen halten. Wenn aber keiner da ist, fängt man an nachzudenken und dir wird bewusst, dass du ganz allein in einer wunderschönen Stadt bist wo durchaus noch Platz wäre für einen mehr. Und dann fragst du dich, warum du denn nicht zumindest zu zweit hier bist. Und dann hast du verloren.
















