Thursday, September 1, 2011

Wetterumschwung


Hi grüß dich!       

. . .  
Ich hab mich grade ausgesperrt!            . . .           Nee, ich war zehn Minuten weg um Shampoo zu kaufen, und dann hatte der Schlecker auch noch zu, und dann komm ich wieder und die Tür war zu.   . . .           Nee, die Tür ist immer offen, wegen der Katzen!      . . .           Jaa, hab ich auch gemerkt. Na, dann kam auf jeden Fall Dirk und hat mir aufgesperrt, und dann hab ich gemerkt, dass sogar Gabi da war, aber die Klingel nicht funktionierte. . . .           Total dämlich, vor allem weil die auch noch im Erdgeschoss wohnt, ich hätt einfach an die Scheibe klopfen können.  . . .          Schon gut, schon gut, ich weiß ja, dass es doof war. Klingst schon wie meine Mutter             . . .         

. . .  
Geburtstag war gut, also super. Hab ja am Sonntag schon ein super schönes Vorgeschenk bekommen, nen Blumenstrauß und ein Essen von ner Freundin, nachdem wir uns das Bayern Spiel gegen den TV Pähl angeschaut haben.                 . . .           Doch, mit den Stars! Ribery, Lahm, Müller, Boateng, Neuer und Schweinsteiger, auf ne Entfernung von 20 Metern!              . . .           Total. Alle gut gelaunt in der Sonne in nem Dorfstadion              . . .           Total klein! Die Spieler haben auch das ganze Geschrei von den Zuschauern mitbekommen!                . . .           Naja, teilweise, Schweinsteiger hat einmal voll verzogen, da kam dann Empörung von den Rängen.             . . .           Er is schon zusammen gezuckt.               . . .           Hihihihi!


. . .          
Ja, Arbeit war auch schön, jetzt kennen zumindest alle meinen Namen, weil sie Muffins wollten.         . . .           36 Stück gebacken, also eigentlich 48, 12 halt für die WG. Das Doc-Team hat mir ne Bromelia geschenkt, sehr nett. Abends dann rumsitzen mit ner super lieben Freundin, im Hof bei nem Bierchen und nem Sektchen und nem Träubchen und nem Tratschchen       . . .           super schön, genauso wollt ich das. Und super liebe Nachrichten bekommen. N Kumpel hat mir n Ständchen gesungen, ne Freundin lädt mich ein nach Regensburg, und eine Schätzeken-Mail kam.     . . .           Ja, geil ge?                 . . .           


 . . .          
Ich hab neulich wieder die Datei geöffnet, die mir in Bonn abgekratzt ist, weißt schon, die Star Trek Geschichte, bei der mir drei Kapitel verloren gegangen sind.     . . .           Oh, furchtbar. Will garnicht drüber reden. Komm mir vor wie Sissiphos. Schreibt man den eigentlich so?

               
. . .         
Nee, immer noch kein neuer Star Trek Input als Inspiration. Dafür gewöhn ich mich langsam an Picard, den konnt ich ja früher garnicht ausstehen. Is schon ganz anders als Kirk.            . . .           Ja, is auch der bessere Schauspieler, Patrick Stewart als William Shatner.        . . .           Nee, also n besserer Captain als Kirk is er auf keinen Fall! Du spinnst ja!


 . . .         
Bah, auf kei-nen Fall! N Captain muss stürmisch sein und aggressiv!      . . .          Erhaben, du hast ja nen Hau. Höchstens verstaubt!          . . .         
So ein Käse.


. . .         
Jetzt müssen sich auch noch alle durch ne Star Trek Fan-Debatte lesen!


. . .         
Wie, wo? Hallo, im Blog? Du weißt doch, dass jedes Wort da rein kommt!


. . .         
Aber das musst du doch wissen, oder kamen dir die letzten beiden Einträge nicht irgendwie bekannt vor?

. . .         
Du hast die nicht gelesen?

. . .         
Wie, du hast noch nie Blog gelesen?? Ausgerechnet DU?! Du musst die doch lesen, Mann! 

. . .         
WAAS?!? Nimm das sofort zurück!

. . .         
Das is doch wohl n schlechter Scherz!

. . .         
Oh, Mann!

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Jetzt hast mich aber sauber erwischt!

. . .         
Und ich nehm dich auch noch ernst. Hätt ich mir ja denken können.

. . .         
Hör auf so dreckig zu lachen!

. . .         
Hahahaha!

Friday, August 26, 2011

ja klar, komm vorbei

Grüß dich, ich bins mal wieder.


…


Ich fahr grad Zug. Kurztripp nach Regensburg.


… ?!


Ich weiß, Regensburg ist ein Kaff, aber es hat halt noch nicht jeder rausgeschafft.


...


Mei Bayern ohne den München-Bonus halt. Die Kellner sagen weder hallo noch schönen Abend.


...


Ich vermiss Bonn bei solchen Gelegenheiten auch. Was würd ich gern mal wieder Schätzeken genannt werden. Dafür ist gestern früh ein Bauarbeiter mit Cowboyhut an mir vorbei gelaufen und hat mich zum Kaffee trinken eingeladen. Was machst n du grade?


…


Nägel lackieren, ach da kann man auch super reden bei.


...


Ich bin grad über mein neues Handy online. Das kann ich als Modem benutzen.


…


Abgefahren gell? Wahnsinn. Auch diese Apps! Gestern hab ich mir eine runtergeladen, damit kann man die Sternbilder über sich bestimmen. Du hältst es einfach in den Himmel und es zeigt dir, was über dir ist.


…


Volle Zauberei, dacht ich mir auch.


…


Das mit der Modemfunktion hab ich heut erst gecheckt, hat mich ein Zombie drauf gebracht, sonst hätt ich gestern schon geschrieben. A pro pos, ein Zombie hat meinen Blog gelesen!


… !


Ja, sie hat mich dann gleich ganz streng gemustert, aber war nur Spaß. Zumindest hoff ich das.


…


Mei, ich kann das ja nicht mal dir erklären - … - ich weiß nicht, ich kann das nicht in Worte fassen, das versteht man nur im Zusammenhang mit den Robotern, es ist kompliziert. Die Zombies sind halt so Menschen, die offen sind, emotional, unverfälscht, ehrlich, die halt keinen Panzer um sich aufbauen wie die Roboter-Menschen, die dauernd nur arbeiten, und bei denen man nie weiß, woran man ist. An denen prallt alles ab. Bei Zombies halt nicht, da trifft alles, aber sie halten sich trotzdem weiter aufrecht. So ungefähr irgendwie. Wenn mir ne Erklärung einfällt, schreib ich sie.


…


Ja, ich hatte auch am Mittwoch an dich gedacht, aber da war ich bei der Fa.


…


Stimmt, wird langsam regelmäßig. Wir wollen jetzt auch Sport machen gemeinsam, da wird ich unser Gespräch verschieben müssen.


…


Ja, ich weiß schon, aber diesen Dienstag war ich am Langwieder See, direkt nach der Arbeit. Es ist aber auch so heiß dauernd gewesen! Bin kurz reingesprungen, habe mich leicht trocknen lassen und bin heimgeradelt. Aber es war schon ganz schön voll. Am Sonntag war ich ja auch schon mal, da sind wir auf dem Heimweg von Hopfgarten dran vorbei gefahren, da wars auch schon so voll.


…


Stimmt hast Recht, so um halb sieben ist es am Besten, da ist es noch warm und etwas leerer.


…


Hopfgarten war schön. Wandern am Samstag, vom Markbachjoch auf das Feldalphorn. Schön, aber kein bisschen Schatten, und wir natürlich mittags unterwegs. Sonntag waren wir dann noch in Kufstein auf der Burg. Auch wieder pralle Sonne, aber auch super, super schön.


…


Ja, klar, haha, aber nur einen ganz kleinen Streifen an der linken Schulter. Ist aber schon beinahe wieder weg, gestern hat er noch ein bisschen gebrannt, jetzt wird’s braun.


…


Fotos? Ach klar wart mal ich zeig sie dir schnell:
Schau, da ist das Haus.


…


Hm? Die teilen sich das mit Freunden von sich, gibt alles was man braucht und Ruhe gibts außerdem.
Das ist der Blick vom Haus aus. Und dann noch ein paar vom Wandern;


Schon schön, gell? Mhm.


… … …


Nee, bei uns regnets auch nicht. Gestern hats geregnet, aber jetzt als ich losgefahren bin war alles trocken und brütend heiß.


…


Nö, meinen Tee trink ich weiterhin. Er ist im Sommer immer heißer als im Winter.


…


Sagt man immer so, aber davon merk ich nix. Ich weiß auch nicht, wie das funktionieren soll, dass der Körper als Gegenreaktion auf was Heißes abkühlt – im Gegenteil, das Getränk muss ja im Bauch auf Körpertemperatur gebracht werden, und das braucht ja Energie und das heißt doch immer Hitze. Kühlschränke geben ja auch Hitze ab. Kennst es ja, wenn man hinten an einem vorbeigeht, das ist ganz schön warm.


…!


Hahaha, stimmt, ich bin kein Kühlschrank.


…


Nee, keine Ahnung wie das ist mit dem Körper und dem Tee. Für die Erklärung bräucht ich jetzt nen Arzt, aber es ist grad keiner da.


…


Das sind doch Onkologen. Ich trink nur gern Tee im Sommer, ich hab doch keinen Krebs!
Kennst du zufällig wen, der das erklären kann? Vielleicht so nen Gastroentereologen?


…


Ja ich werd auch früh schlafen, nach der Arbeit bin ich am Wochenende schon echt müde.


…


Och es geht. Zur Zeit seh ich Columbo, da schlaf ich immer ein. Nicht so schön wie Star Trek, aber immerhin. Die DS9 Folgen hätt ich schon gern, oder Voyager, oder Enterprise. Aber ich will sie mir nicht kaufen, - was? Nee, wegen dem Platz. Die sind so riesig, jede Staffel ne Box, jede Serie etwa fünf Staffeln, fünf Serien und zehn Filme, elf um genau zu sein. Das ist ein ganzes Regal!


…


Zum Lesen komm ich ned zur Zeit. Dafür schreib ich halt auch mehr.


…


Du ich wünsch dir auch ne gute Nacht. Nächsten Mittwoch kann ich übrigens nicht … nee, nicht wegen der Fa, ach gut dass du es sagst, die muss ich noch anrufen, nee, nächsten Mittwoch hab ich Geburtstag.


…


Hahaha, vielleicht, wenn ich dann die Tasten noch treff!


…


Feier is am Samstag, ja genau. Wollte erst hier n bissl sitzen und dann tanzen gehen, komm einfach vorbei.

Thursday, August 18, 2011

ja nee, schon!

Ja hi, ach super, dass das noch klappt.

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War gestern n bißchen kurz, gell?
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Jaa fand ich auch. Nee, daher dacht ich mir auch, schreib ich jetzt noch n bißchen. Wollt dir eh noch von gestern erzählen.
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Ja, genau, von der neuen Stelle bei Arbeit. Total geil.
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Ja mich auch. Vor allem, ich fahr morgens immer zur Autobahnausfahrt, weil ich da abgeholt werd mit dem Auto, und ich radel da halt an diesem Bach entlang, zwischen Feldern im Sonnenaufgang. So schön.
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Schon, mehr Sport machen find ich auch gut.
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Die Arbeit selber ist gut, schon. Aber ich kann noch nicht so viel sagen, weißt ja, sehr großes internationales Projekt, Spezialanfertigungen, viele Sprachen, diplomatisches Feingespühr ist wichtig.
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Ja macht man sich garkeine Vorstellung.
...
Ich? Keine Ahnung um ehrlich zu sein, im Endeffekt soll ich nur Dokumente von den Lieferanten an unseren Kunden weiterleiten. Der Kunde ist halt ein französisch-sprachiges Unternehmen, dazu muss es natürlich französisch sein.
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Nee nee, die Lieferanten sind international.
...
Auch übersetzen, ja, außerdem prüfen wir noch inhaltlich, also Ingenieure prüfen das erst, und wir verwalten halt, senden weiter, prüfen Format und Eingang und erinnern die Lieferanten an Termine. Die werden auch nach Dokumenten bezahlt.
...
Wie viele? Insgesamt etwa 25 000 Dokumente sein.
...
Total krass, find ich auch.
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Ja nee, hab noch zwei Kolleginnen, die machen das gleiche.
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Die sind super! Mit der einen war ich auf der Grundschule, und ihre beste Freundin kannte ich ganz gut!
...
Fand ich auch. Ich glaubs immer noch nicht ganz.
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Die andere ist super lieb, wir haben total den gleichen Buchgeschmack.
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Die Zombies? Lustig, weiterhin lustig. Der eine hat mich neulich erschreckt, setzt sich vor mir in die Küche, stellt ne geschlossene Weinflasche auf den Tisch und sagt: Du hast meinen Wein getrunken.
...
Ja, genau die Flasche meinte er!
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Keine Ahnung, war alles sehr wirr. Aber die anderen sind weiterhin Zucker, zuk-kersüß. Sitz jeden Abend bis zehn, elf mit ihnen im Hof und ratsche.
...
Hahaha, geschlafen wird später!
...
N bißchen, muss ja um sechs morgens raus. Aber das passt schon, geh ja morgen wandern übers Wochenende, erholen :).
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Mmh, in der Hütte in Hopfgarten, genau, von den Eltern. Ja, is super schön da. Dieser Blick ins Land! Oh, da fällt mir ein, ich muss meinen Akku von der Kamera noch aufladen! Muss bald mal aufhören, aber erstmal, jetzt hab ich so viel geredet, wie gehts dir eigentlich?
...

Wednesday, August 17, 2011

a entfällt wegen b (Bitte lesen Sie den Blog für nähere Anweisungen)

Fußballspiel gucken entfällt wegen Prosecco trinken in der Sonne, bekocht werden mit Gemüsesuppe mit Lammeinlage und Geschichte schreiben.

Blogeintrag "ich suche Menschen die mit mir Bergsteigen gehen" entfällt wegen SMS: "Hey hast du Lust, mit mir am Wochenende wandern zu gehen?"

Wochenende mit lecker Brunch entfällt wegen Wandern gehen.

Spät schlafen gehen entfällt wegen morgendlicher Fahrradfahrt zu der Stelle, wo ich mit dem Auto abgeholt werde um zu Arbeit zu fahren. Fahrradfahrt führt an kleinem Bächlein entlang zwischen Feldern mit Vogelgezwitscher und Idylle.

Bericht über Arbeit entfällt wegen totaler Schwemme an Neuigkeiten. In Steno: Spannend, interessant, fordern, ständig mehr. Super Team, internationales Flair, Zeitmanagement, Diplomatie, Verhandlungen. Einarbeiten, einarbeiten, einarbeiten. Kühlen Kopf bewahren.

Blogabsatz: "die Zeit überholt" entfällt wegen Redundanz und Zeitmangels.

Abendtee entfällt wegen trinken selbiges in der Arbeit. Die sind da gut zu mir.

Blog entfällt wegen Geschichte fertig schreiben, was ich gerade auf dem Hof tat. Ivelina hat sie schon gelesen. Sie meint, es fehlt der Schluss. Da hat sie recht. Das ist überhaupt häufig mein Problem.

Tuesday, August 9, 2011

Vorgeschobener Block voller Tragödien

Hallo.

Dieser Blogeintrag soll von folgenden Dingen handeln:

- Superfrauen, die in zwei Städten zugleich sein können und Bilder verschenken. Mit einer hab ich neulich telefoniert. Sie sagte: "Das ist wie ein Probeabo, so eine Beziehung am Anfang." Irgendwann kommt der Punkt, da muss man unterschreiben oder kriegt nix mehr. Zu lesen.

- Einer Frau, die kürzlich verstummt ist, was mich besorgt, sie ist nämlich gerade zwei Mensch. Zu diesem Blog-Abschnitt gehört ein Goethe-Zitat, das ich derzeit immer mit ihr assoziiere:

"Hier sitze ich, forme Menschen.
Ein Geschlecht, das mir gleich sei
zu leiden, weinen,
zu lachen und zu freuen sich 
[...] wie ich." 

-  Fußballspielen. Bundesligastart, Dortmund spielt wie im Vorführfilm oder besser, Bayern macht das Gegenteil und verliert gegen Gladbach. Gegen Gladbach, ihr Heinis, Glad-bach! Zum ersten Mal bin ich froh, nicht in Bonn zu sein. Auf die (berechtigte) Hähme kann ich doch gern verzichten ;). Aber: seit Bonn natürlich Dortmund-Sympathien, festsitzende, daher kann ich mich immerhin über deren Zauber-Fußball von Freitag freuen.

 - einem Paket. Slawa hat mir ein Neues Testament und einen ganz lieben Brief geschickt. Was hab ich mich gefreut. Ab und an passiert es einfach, dass einem ein Mensch unvorhergesehen einen Sonnenstrahl schenkt.

- Flohmärkten. letzten Samstag und diesen Samstag. Gut, das. Habe alle Anzüge zur Reinigung gegeben letzte Woche, da fiel mir auf: ich kann ja nicht nackt arbeiten. Also Flohmarkt. Neue gebrauchte kaufen. Sechs Euro das Stück. Gut.

- Dürre. Tatsache, ich bin durch. Ich habe die Start Trek Classic, Next Generation und die Filme in chronologischer Reihenfolge durchgeguckt. Gestern bin ich fertig geworden. Jetzt: Angst. Ganz ehrlich. Das waren die einzigen Trek-Sachen, die ich auf DVD hab. Kein DS9, kein Voyager, kein Enterprise. Was seh ich denn jetzt abends zum einschlafen? Ich habe kein Internet daheim, weiterhin.

(Kennt ihr die Kurzgeschichte von Stephen King namens das Floß wo Jugendliche nachts baden fahren, sich auf dem Floß in der Flußmitte ausruhen und dann ein schwarzer Fleck auf dem Wasser auftaucht, der jeden verschlingt, der wieder an Land schwimmen will? Am Ende sitzt doch nur noch dieses eine Mädel allein da, mitten in der Dunkelheit und ist gefangen. Der Fleck wird immer größer. Genau so fühl ich mich grad.)

 - der Fa. Die verhindert effektiv, dass ich morgen schreiben kann, weil ich da bei ihr bin, und wenn ihr die Fa kennt oder die Fa seid, dann wisst ihr, das ist eine gute Idee. Daher heute der Eintrag statt morgen.

- Autorenhandys. Für jeden gibt es Handys, für Leute, die surfen wollen, Videos gucken, Musik hören, fotografieren - nur Autoren, die bräuchten ein Handy, auf das man spontan ein, zwei Worte kritzeln kann, oder aufsprechen mit Spracherkennung, und sowas gibt es nicht. Doof das.


Dann wäre das hier auch ein Eintrag. Dann würde ich einfach morgens meine Gedanken mitschneiden und sie jetzt nur hier rein kopieren.

Ich stehe morgens auf der Rolltreppe wie die anderen Menschen, die selbst diese paar Rolltreppensekunden auskosten, damit der Tag ein bißchen später anfängt. Bilder und Geschichten wachsen in meinem Kopf, Romane könnte ich schreiben! Ganz leicht, einfach so im Vorbeigehen. Über weißen Fensterläden und die bunten Vorhänge, über den knarzenden Holzboden und die langhaarige Katze bei uns auf dem Hof, über die Küche mit der Eckbank, wo immer Menschen sitzen, die so seltsam sind. Gut seltsam! Nur so anders als alle anderen Menschen. Wobei sie sich natürlich untereinander wieder ähneln, ach es ist kompliziert.

Ich sitze bei ihnen und fühle mich wohl, da frage ich mich plötzlich: Mag ich sie, obwohl sie seltsam sind, oder bin ich genauso seltsam wie sie?

Realitäten verschieben sich in diesem Haus. Menschen, die tanzen gehen, kommen um zehn Uhr morgens wieder. Andere Menschen gehen um 12 Uhr nachts tanzen und kommen erst 24 Stunden später wieder. Die Tür zum Haus steht immer offen, und ständig sind Menschen da, die da garnicht wohnen. Zumindest bleibt so  die Anwesendenzahl immer konstant, auch wenn die Mitbewohner verschwinden. Katzen verschwinden übrigens auch. Bisher kamen aber auch die immer wieder.

Ist auch ein sehr gesundes Haus. Mal drückt mir Gabi einen Strauch Kräuter in die Hand, Zitronenmelisse und Pfefferminz, weil ich erkältet war. Anderntags krieg ich selbstgemachten Apfelsaft aus Äpfeln aus Nachbars Garten. Das ist schon was Köstliches.

Solcherlei Geschichten formen sich morgens auf der Rolltreppe in meinem Kopf, wenn ich alles tue, damit der Tag etwas später anfängt. Gerne würde ich erzählen in all der Tiefe, die solche Geschichten brauchen. Aber das geht nicht. Mein Kopf ist einfach zu leer geblasen.

Wednesday, August 3, 2011

Sätze - eine Sache für dich

Warum meine Mitbewohner Zombies sind, kann ich nicht erklären, genauso wenig, warum meine Mitarbeiterinnen Roboter sind.

Einzig fest steht, dass ein Film, in dem beide gegeneinander kämpfen, floppen würde.

Erstens wäre das total sinnlos, weil die Roboter mit ihren Schneidearmen und Laseraugen die Zombies nicht töten könnten, weil sie ja schon tot sind, und die Zombies die Roboter auch nicht ausschalten können, weil den Robotern das menschliche Gehirn und Herz und so fehlt, das die Zombies essen könnten.
Zweitens würden dabei keine Menschen vorkommen, die ja das Publikum des Filmes sein müssten. Da sich aber Menschen nur für sich interessieren, würden sie auch nicht reingehen.
Ergo Flopp.

Das Alles hat in zweierlei Hinsicht mit meinem Leben zu tun:
Einerseits kommen beide Gruppen in meiner aktuellen Kurzgeschichte über eine Kuh vor, zweitens schlägt dieser Anfang so plötzlich und unumwunden ein wie die vergangenen sieben Tage auf mich.

Daher habe ich entschlossen, diesen Eintrag in staccatoartigen Sätzen zu verfassen. Damit wird einerseits viel Inhalt der Woche vermittelt, andererseits gleichzeitig das Gefühl, das damit einher ging. Hier also die Warnung, die ich nicht hatte.

donnerstag
"Alles Gute und viel Kraft. Magst ein Sandwich mitnehmen?"

Auf Beerdigungen muss man bleich sein.
Gut sind Beerdigungen dann, wenn man viel weint und viel lacht. In dieser Reihenfolge.
 
Aubing wird immer attraktiver. Zehn Verwandte um die Ecke, sieben davon lebendig.

freitag 

S-Bahn-Fahren heißt: Stehen oder in den Blähungen anderer Leute sitzen.

Wenn Sie nach Lenggries wollen, dann steigen Sie bitte hier aus.

Verspätung wegen Notarzteinsatzes vor uns.


"Was machst du heute noch?" "ich geh jetzt schlafen." "Ich auch."
 
samstag 
Tagsüber sieht das Backstage aus wie eine Lagerfabrik, aber das nicht den Zombies sagen.
  Tatsache, man kann auch nüchtern zu Goa tanzen und die Szene nimmt dich auf als einen der ihren. Iren. Irren. Ihren.

sonntag
Wieder Burenwirt mit 50 Schnitzelgerichten, 70er Jahre Bierschänke-Charme und Plastikblinklichtern.

Ein Übel kommt in zwei Wochen nach München, vermutlich will es bleiben.

Ein asiatischer Kanadier kommt in einer Woche nach München, der geht aber wieder.
Wer seinen Münchenaufenthalt ankündigt, bevor er das Hotel bucht, spart Geld.

"Mei, entschuldige, normalerweise schau ich immer, bevor ich den Teppich ausschüttle."

montag 
Verspätung wegen Notarzteinsatzes vor uns.

"Ich bin immer für Kleider, im Office, beim Assessment Day, aber da wäre ein Hosenanzug doch besser." Logisch, heißt ja auch MAN.


"Woa geil, das Wasser fließt wieder."
"DIRK, WIR HABEN AUF DER ANDEREN SEITE DEN ABFLUSS AUFGESCHRAUBT."
"Wenn wir den Teppich nicht raushängen, schimmelt er."
Ein Schild sagt: Bitte die Spüle bis 16 Uhr nicht benutzen.
17 Uhr: Abflussrohr in der Spüle.


dienstag 
Forderung: Selbstmorde bitte nur in der Nacht.


Ein Schild: Abfluß bis 19 Uhr nicht benutzen.
20 Uhr: Ein neues Schild: FINGER WEG VOM WASSERHAHN Der Reiniger soll die ganze Nacht wirken.
Es geht ohne Tee, aber schlechter.

Aubing wird immer attraktiver, zumindest, wenn man sich die richtigen Gäste einlädt.
Neue deutsche Trennung: Ich muss jetzt gehen, damit ich wieder kommen kann.


mittwoch 
Skypen soll schön sein.
Mittwoch ist Blog und Starbucks-Tag.

Nein, ich habe noch immer kein Internet, dafür werden meine DVDs weniger.

Schön. Schön ist ein schönes Adjektiv. Bitte schütteln Sie Ihre Objektive bis Sie wieder Sinn ergeben.
Vertraue deinem Spracherkennungsprogramm im Handy. Es weiß besser, was du schreiben willst.

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Leg-Ende: Zitate stammen von Menschen.
Die dargestellten Inhalte entsprechen der Wahrheit meines Kopfes.

Ende.

Wednesday, July 27, 2011

Dieser Eintrag erklärt sich mit dem Lesen selbst

KRANK! Die sind alle KRANK! Meine Mitbewohner sowieso, das sind Zombies, aber das erzähle ich ein ander mal.

Ich komme gerade frisch aus der Arbeit und ich glaub ich werd noch ganz blöd im Kopf. Da sitzt du vor deinem Computer und sprichst in leiser, möglichst gemeiner Stimme zu ihm. Du sagst ihm: Ich hasse dich, aus dem tiefsten Grunde meines Herzens, ich verachte dich, nicht das mindeste Fünkchen Respekt habe ich für dich, weil du nie machst, was man dir sagt, sondern irgendwelche anderen Sachen, um die dich keiner gebeten hat, und dann hängst du dich auf, weil du dich selbst überforderst, du unnützes, dummes kleines Gerät.
So sprichst du mit ihm, und er weint nichtmal. Dabei arbeitest du zum fünften Mal an der Formatierung eines Dokuments, das du vor zwanzig Minuten auf den Millimeter genau definiert hast, denn die Zeile der Tabelle hatte genau 1,19 Zentimeter, nicht 1,20 oder gar 0,73, nein - dann gibst du es deiner zweiten Chefin und es ist alles im Arsch weil sie Word 2007 hat und du Word 2010!
Spontan alterst du drei Jahre und denkst, das könnte Word 2007 doch auch mal machen, aber nichts da. Statt dessen tust du wieder was, nämlich mit der Software-Betreuung der Firma zu telefonieren, weil keiner im Büro auch nur genug Administratorenrechte hat um auch nur eine Schriftart zu installieren. Eine Schriftart! So Arial und Times New Roman nur schöner und die vom Kunden selber gemacht. Allerdings ist es eh schon zu spät, weil der Rückruf von der Firma erst kommt, als die zweite Chefin schon mit der ersten Chefin im Meeting sitzt und das Produkt in der falschen Schrift vorstellen muss. Da isst du ein bißchen Schokolade und installierst auf allen acht Laptops in der Arbeit dann doch die Schrift, damit jeder Hinz und Kunz an diesem Handbuch arbeiten kann.
Leider ist der wichtigste Laptop aber noch garnicht verfügbar, weil im Meeting, und damit auch nicht die aktuellste Version von dem Handbuch überhaupt, weil im Meeting. Da sitzt du dann da und machst andere Sachen, während du dir den Kopf zerbrichst, wie dieses Ding noch fertig werden soll bevor der Copy-Shop schließt, weil der das bis morgen um acht Uhr drucken soll. Zumindest ist das Meeting dann zu Ende und du findest heraus, dass du die Schrift auf dem Rechner der zweiten Chefin nicht installieren kann, nochmal zum mitschreiben: nicht installieren auf Chef-Computer, Chefin hat somit total hässliche Schrift anstatt super-eleganter Kunden-gemachter Designerschrift. Arsch! Der Computer versteht sich.
So geht das dann weiter, und am Ende kriegt ihr es doch hin, alles fertig zu machen, und Chefin ist glücklich. Du bist dafür total fertig und ausgelaugt. Aber:
Arbeit ist geil.

Sunday, July 24, 2011

Nachtrag(end)

Ay me bloggies,


Eva is - as she often is - right when she asks me rhetorically whether I stopped blogging completely. I've been offline these last weeks, indeed I only accessed the web on my mobile cause I went living in an old farmhouse in Aubing where there is no wireless. Instead people sit in the kitchen and talk to each other, real life and in person, without any computer. It's really oldstyle. You should try it. After two days I stopped slouching, after three days smiling didn't hurt anymore. Now I only use my computer to write fiction, and that's good. Here is an example: It's called 


Karibikfeeling

btw Those of you who make it to the end of the three page stor(e)y will be rewarded with pictures. Pictures!!!! Yay! But now, read on please: 



Frau Kraftschick fing wieder mit dem Tippen an. Frau Siegert hatte gerade ihr Büro verlassen mit dem Vertrag, den Frau Kraftschick für sie ausgehandelt hatte. Soll sie den Job bei der Anwaltskanzlei mal annehmen, die Frau Siegert. Auch wenn er schlecht bezahlt und der Chef ein Choleriker ist. Zumindest wollen sie sie in der Anwaltskanzlei. Das ist doch eh das Wichtigste.

Sie wollte niemand, die Kraftschick. Nicht ihre Kollegen in der Arbeitsagentur, nicht ihre Katze. Ihre Kunden wollten sie vielleicht, zumindest am Anfang. Bis sie dann rausfanden, dass sie eine professionelle Lügnerin ist, dann wollten sie sie auch nicht mehr. Mit Menschenleben spielt sie, die Kraftschick, nein, sie verwaltet sie. Ordentlich gelistet unter ihren Hoffnungen:

„Ich wäre gern Verkäufer für Ballettzubehör,“ sagt der übergewichtige Maurer Borgenheim und Frau Kraftschick legt ihn ab unter T wie Traumtänzer. Zwei Kunden hat sie heute noch, einen Angeber und einen Zögerling, dann darf sie nach Hause gehen.

Ihre Kollegin wünscht ihr einen schönen Abend mit diesem automatischen Lächeln, bei dem zwar die Stimme höher geht, aber die Augen nicht strahlen. Frau Kraftschick schenkt ihr kaum Beachtung. Es ist schwer, professionellen Lügnern etwas zu glauben, vor allem wenn man selber einer ist.

„Wahrscheinlich Berufsschicksal,“ denkt Frau Kraftschick, „dieses Nicht-gewollt werden.“ Sie ist auf dem Nachhauseweg. Ihre Pfennigabsätze klickern hell auf dem Asphalt.

Sie denkt noch ein wenig an ihren letzten Patienten. Wie er vor ihr saß mit seiner Wampe und den wässrigen Augen. Es ist Herr Zögerling. Er will nicht kündigen. Seit siebzehn Jahren arbeitet er in einem Großraumbüro. Irgendwann war seine Frau gestorben und er hatte einige Sauftreffen mit den Kollegen ausfallen lassen. Danach haben sie ihn nicht mehr eingeladen. Oder mit ihm geredet. Am Ende haben sie ihm nicht einmal mehr den Tacker gereicht.

„Da habe ich immer häufiger zu Schublade gegriffen,“ sagt er mit tränenschwangerer Stimme. Frau Kraftschick muss nicht nachfragen, was in der Schublade ist. Seine dicke, rote Nase verrät ihn. Eine Beschwerde wegen Mobbings ist ausgeschlossen. Die Kollegen haben ja nichts gemacht! Garnichts. Ein anderer Job für einen 54jährigen Sachbearbeiter mit Alkoholproblemen war aber auch nicht zu finden. So kann sie auch nichts anderes machen als betreten wegschauen.

Immer kommt dieser Punkt, an dem Frau Kraftschick ihren Kunden vermitteln muss: Diese Hoffnungen, die Sie da haben, die sind tot. Bleiben Sie lieber Steuerberater oder Spielhöllenbesitzer. Kellnern Sie weiter für den Rest ihres Lebens und zahlen Sie die Nachhilfe für ihre Kinder vom Trinkgeld. Die große neue Karriere von der Sie träumen, die existiert nicht für Sie.

Das sagt sie aber erst am Ende. Am Anfang sagt sie: „Kaffeeflecken auf ihrer Bewerbung sollten Sie vermeiden“ Oder: „Handwerk schreibt man mit e nicht mit ä.“

Sie sollten es da schon ahnen, dass das nix wird mit dem neuen Job, ihre Kunden. Kunden, die eigentlich gar keine Kunden sind.

Für Frau Kraftschick sind es Patienten. Patienten, die an Mobbing leiden, an Fettleibigkeit und Trinksucht, Patienten, die gern Schwächere quälen, und die allesamt eine gemeinsame Krankheit haben: Unvermittelbarkeit. Trotzdem muss sie sie Kunden nennen, ihre Patienten, wegen der Regeln der Arbeitsagentur.

Es ist schon verflixt mit ihnen. Wenn sie ihre Unterlagen durchsieht, schwindet Frau Kraftschick der Mut. Mit jedem schlechten Arbeitszeugnis und jedem Tippfehler mehr glaubt sie weniger daran, diesen Arbeitslosen wieder an den Mann zu bringen. Bei den Kunden ist es aber genau andersrum. „Jetzt, wo die dicke Frau Kraftschick mit ihren Blüschen und Röckchen meine Unterlagen durchgeht, stehen die Chancen sicher besser,“ denken sie. Und sie glauben an sie. „Wenn die Kraftschick meine Unterlagen auf Vordermann bringt, dann bringt sie sicher auch mich auf Vordermann. Die kann das,“ denken sie. „Die macht das.“

Pustekuchen. Sie kann den Zögerling genauso wenig von der Trinksucht erretten wie den Maurer zum Tänzer machen.



„Egal, man soll seine Arbeit nicht mit nach Hause nehmen,“ sagt Frau Kraftschick laut. Zwei Halbstarke neben ihr am Gleis verstummen spontan. Frau Kraftschick nutzt ihre Verwirrung, um sich den einzigen Sitzplatz in der einfahrenden Bahn zu ergattern.

Zwei Stationen später steigt sie aus. Zum Zeitungsmann am Bahnhof sagt sie: „Eine Brigitte, bitte.“ Sein Körper ist drahtig und muskulös. Er hat eine schwarze Strickmütze auf und braune Augen. Sie drückt ihm das Geld in die Hand und er schaut zur Seite. Keine braunen Augen für Frau Kraftschick heute. Dabei kommt sie nur wegen denen vorbei.

Vor einem Jahr hatte sie dieses Schundblatt gekauft, weil es ein Meet-and-Greet mit George Clooney verloste. Gewonnen hatte Frau Kraftschick nur die braunen Augen und jede Woche etwas Papiermüll mehr. Jeden Tag war sie an ihm vorbei gegangen, hatte ihm zugeblinzelt und alle paar Tate etwas gekauft. Nach einem Monat wollte sie schon wieder damit aufhören, weil da nicht mehr zu sein schien bei den Augen als ein gelegentliches „schönes Wetter heute.“

Aber dann redete er plötzlich von sich aus. Ganz plötzlich, ohne das Frau Kraftschick einen neuen Hut trug, verführerisch duftete oder sonst eine Änderung vorgenommen hatte wie bei den vorherigen Besuchen.

Es sei ein schlechter Tag, sagte er damals. „Warum?“ fragte Frau Kraftschick. Er antwortete nur: „Ich will hier weg.“ Sie erwiderte nur: „Oh.“

Dann fing er an zu reden, von einer Bar in der Karibik und Cocktails mit kleinen Schirmchen, von Musiksessions mit Bongos und Gitarre unter Palmen. „Da will ich hin,“ erzählte er, „diese Bar aufmachen.“

Dabei sah er Frau Kraftschick unentwegt in die Augen. Ihr wurde ganz warm. Das Grau um sie verschwand, der Straßenlärm wurde zu Meeresrauschen, alles veränderte sich während er sprach und wurde zur Karibik. Nur er und seine Augen blieben bei ihr.

Vielleicht lag es an den schlanken, muskulösen Armen die sich unter dem Anorak des jungen Mannes abzeichneten. Aber Frau Kraftschick war sich sicher, es wären die Augen gewesen derentwegen sie diese Nacht zwei Stunden lang masturbierte.

In freudiger Erwartung kaufte sie sich am nächsten Tag einen Vibrator und eine Tageszeitung. Aber nix mehr von Karibikfeeling zwischen ihren Schenkeln. „Das gestern“ sagte der Zeitungsverkäufer, „war nur ein Tagtraum. Gesponnen habe ich. Gesponnen!“ fuhr er sie an. Dabei quetschte er die Zeitung in seiner Hand zusammen.

Frau Kraftschick erkannte die Haltung ihrer hoffnungslosen Kunden, die ihre Hoffnung doch noch nicht ganz aufgaben. Irgendwo in diesen Augen war noch Karibik! Und Frau Kraftschick reagierte darauf. Sie tat plötzlich das Gegenteil von dem, was sie bei ihren Kunden immer tat. Sie glaubte an den Traum vom Zeitungsverkäufer, verzweifelt, irrrational, und völlig unerwidert. Das Tageszeitung-Kaufen gab sie bald wieder auf, zu viel Papiermüll, aber die Wochenzeitung kaufte sie weiterhin. Seit einem Jahr lang jede Woche gab sie ihm Geld für eine Brigitte. In die Münzen legte sie soviel Zuversicht wie nur möglich, und ihr Blick sagte: „Zeitungsverkäufer, du kriegst das hin mit der Karibik, du machst das!“ Auch heute wieder. Aber auch heute keine Karibik.

Das frustrierte. Auf dem Heimweg hingen ihre Schultern, ihre Haltung war gebeugt, und ihre Pfenningabsätze schlurften nurmehr über den Asphalt.

„Aber nächstes Mal,“ dachte sie und zählte Zigarettenstummel auf dem Weg, „Da spricht er wieder mit mir über die Karibik.“ Zweiundzwanzig, dreiundzwanzig Zigarettenstummel. Sie weinte ein wenig. Aber dennoch wusste sie, sie würde nächste Woche wieder hingehen. Nächste Woche würde alles anders.

Daheim angekommen war sie allein. Nicht mal Bibi war da. Sie machte sich ein Abendessen aus Rehkitzinnereien und Backmarzipan und schlief vor dem Fernseher ein. Am nächsten Morgen pflückte sie sich die Marzipanbröckchen aus den Haaren und ging zur Arbeit. Sie kam wieder am Kiosk des Zeitungsverkäufers vorbei, aber er war geschlossen. In der Arbeitsagentur angelangt begann der neue Tag. Sie machte sich aufs Neue daran, langsam und gründlich die Hoffnungen ihrer Patienten zu zerstören.


Now, here are your pictures: 

Salzburg, 16.&17.7.2011 




 
Hittenkirchen am Chiemsee, 15.7.2011:











Monday, July 4, 2011

Schlechte Ideen

"Aka," so sagt man, "Wünsche zu verweigern bringt Unglück."
Das ist eine ungefähr so schlechte Idee, wie mit einem klapprigen Fahrrad entgegen der Fahrtrichtung einer zweispurigen Einbahnstraße zu fahren, die die zentrale Verbindung zwischen zwei Stadtteilen ist. Das habe ich (nach kurzem Überlegen) auch nicht getan.
Daher hier und ohne weitere Umschweife, für alle und jeden, Teil eins:
Maxvorstadt

IonIon, der Lieblingsgrieche (und Fahrräder)

Kleiderladen (und Fahrräder)

Grieche und Brotladen, Augustenstraße

Augusten Im Biss, Augustenstraße

Bollywood Store, Augustenstraße

Radlladen, Augustenstraße
Autos, Menschen, kleine Kinder, Hunde, Radfahrer, Frauen mit dicken Sonnenbrillen, noch mehr Radfahrer, ein Radfahrer, der plötzlich stehen bleiben und zu einem unsichtbaren (Handy?) sagen: "Hallo Hermann, ich wollte nur sagen: Ich bin vor Ort." So viele Radfahrer, dass dickliche Damen sie amüsiert als Geisterfahrer bezeichnen, wenn sie auf der falschen Straßenseite fahren. Und Frauen, die so dicht hinter einem gehen, dass sie in einen laufen, wenn man stehen bleibt. Sie lachen dann und entschuldigen sich. Dazwischen: Männer. Kinder, Hunde, Autos, Radler. Ganz im Gegensatz zum Nördlichen Friedhof.

Nördlicher Friedhof
Fast unsichtbar vor grün: zwei Sportler

Vogelhäuschen auf dem Nördlichen Friedhof



Grab  
   Ruhig und kühl, entspannt, ruhig und ruhig. Die verstreuten Menschen, die hier Tai Chi machen oder Slacklinen, Picknicken oder Händchen halten wollte ich mit meinem Fotoapparat nicht stören. So wirkt der Friedhof viel toter als er ist. Nur dieses kleine Mädchen mit Mutter bildet eine grandiose Ausnahme:
Geistreich - Kind mit Mutter


 Die Personen auf dem Königsplatz hingegen lassen sich von nichts stören. Weder von Radlern, noch von Fotografen, noch von den vielen Autos in der Mitte. Heute war auch einer der wenigen Tage, an dem nichts los war: Weder Konzert noch Freilicht-Kino. Dabei spielen hier Weltstars! Aber eben nicht heute.









Am Ende der Rundfahrt im Umkreis von fünf Minuten zu meiner Wohnung (mit dem Fahrrad) wieder zurück in der Augustenstraße: Der Herrmannsdorfer, Ökologisch, fair angebaut, und das von jemand, der Herta geleitet hat (nicht Herta BSC, sondern die Fleischfirma)

Herrmannsdorfer, Augustenstraße
Hierbei ließ ich es bewenden. Der Herrmannsdorfer hat nämlich nicht nur super Fleisch, sondern auch hervorragendes, frisches, köstliches Obst. Melonen und Stachelbeeren gibt es heute für mich, die ich auch dringend brauche. Seht euch den Vorratsschrank meiner Wohnung an:
Mehr braucht der, der hier eigentlich lebt, zum leben wohl nicht. Auch interessant der Besteckkasten: Von allem zwei, nicht mehr - dafür aber zwei Kuchengabeln!

Wednesday, June 29, 2011

Keine Fotos

So gerne würde ich hier Fotos bloggen, aber ich sage euch: Ich habe keine Zeit, welche zu machen! Dabei gäbe es so viel, was fotografierenswert wäre!
Einerseits arbeite ich ja direkt an der Isar, und das ist einfach wunderschön. Kiesstrände im Sonnenlicht, breite, rauschende Stromschnellen, Bäume, verträumte Menschen. Andererseits ist um die Ecke von meiner Wohnung der Nördliche Friedhof, der schon einen Blogeintrag wert ist - schattige Bäume, knirschende Kieswege, zerfallene Grabsteine. Super. Und überhaupt würde ich gern die Atmosphäre der wuseligen Maxvorstadt mit ihren Radlern und kleinen Geschäften, aber auch den Lehel mit den schönen, glatten Gebäuden und den kleinen Obstständchen transportieren.
Statt dessen arbeite ich bis fünf oder sechs, treffe dann meine Schwester, oder die Eltern, oder sonstige Freunde, und am Wochenende schlafe ich oder bin auch Nachtflohmäkten oder in schönen Cafe's, oder ich korrigiere Arbeiten von Freunden, oder ich gehe shoppen, oder -

ich könnte noch ne Weile so weiter machen, aber das Prinzip ist einfacher erklärt: München ist eine genauso faszinierende und schöne Stadt wie Bonn und die Zeit hier ist genauso aufregend, aber hier habe ich schon ein cooles, bestehendes soziales Netzwerk und um das kümmere ich mich mit Leidenschaft.

Wobei der wahre Grund dafür, dass ich überhaupt keine Fotos mache, daran liegt, dass ich meine Kamera zu selten dabei habe. Aber so ganz stimmt das auch nicht, denn Fotos machen kann ich am besten allein, wenn ich mich nur auf das Bild konzentrieren kann und richtig in die Situation eintauche. Irgendwann gibt es aber wieder welche, versprochen!

Wednesday, June 22, 2011

The return of the orchid

Ich dachte ich wär das Biest los! In einer feierlichen Zeremonie hatte ich die bösartige Orchidee in Bonn zerrupft und zerpflückt. Irgendwann zwischen GSI und DAAD war sie - nach etwa einem Monat Hunger und Zerstückelung! - endlich völlig vertrocknet; da habe ich sie genommen und zermalmt! Schön war es, ihre Blüten zerspringen zu hören! Danach habe ich mich an die Ginkgo-Zucht gemacht, an diesen Baum des Lebens heran gewagt, den mir ein vielgeliebter, betrauerter und immer noch vermisster Kunstlehrer nahe brachte. Was soll ich mich gegen etwas wehren, was schon Goethe liebte - Ginkgos sind gut.

Nur schwant mir inzwischen Übles. Langsam keimen die Kerne, ganz langsam, so langsam, dass man sich fragen muss, wie die überhaupt hunderttausende Jahre überlebt haben, wenn die sich mit der Fortpflanzung derart schwer tun. Aber das wäre ja kein Problem: "every blade of grass has its own angel who wispers: Grow, grow," sagt eine Karte, die mir meine Schwester einst schenkte. Gerne bin ich dieser Engel für meine Gingko-Kerne. Nur hat sich die Orchidee auf perfide Art und Weise gerächt - sie hat etwas von ihrem Pflanzenhass in die Luft gesprüht, der meine Keimlinge ein paar Tage ausgesetzt waren. Und jetzt schimmeln sie! Endlos! Sie hören garnicht mehr auf! Ich wasche, ich pflege, ich lüfte - aber der Schimmel kommt wieder und wieder, ja ein Kern ist derart mit grüner, wolkiger Flechte übersäht, dass man garnichts anderes mehr sieht!

Ich wette, das ist die Keimzelle der Orchidee - irgendwie hat sie es geschafft, sich einzuschleichen, und jetzt wächst da ein Ginkgo-Orchideen-Hybrid. Gut und Böse in einer Pflanze, mir wird schon ganz gruselig. Oder es entsteht eine Chimäre, ein Mischwesen, böse wie die Orchidee aber so unzerstörbar wie ein Gingko. Ginkgos werden bis zu 30 Meter hoch. Gott steh mir bei, ich habe dieses Unwesen in meinem Zimmer.


Jetzt ist es Nacht. Ich hoffe, ich wache morgen wieder auf.

Monday, June 20, 2011

Das ist Bibi

sagte Heike und setzte sich auf die Leiter. "Du Spack," antwortete Franz, der auf dem Boden verblieben war und Käsekästchen in den Sand zeichnete. "Du hast doch keine Ahnung. Bibi ist garnicht da. Du redest nur, um deinen Mund zu füllen." Für einen Fünfjährigen hatte Franz einen erstaunlich großen Wortschatz.

Gerne würde ich jetzt weiter einen Text über Bibi schreiben, aber das geht nicht. Bibi ist nämlich garnicht da. Überhaupt muss ich jetzt erstmal mit der Gegenwart fertig werden. [Dieser Satz ist übrigens, ebenso wie der Titel, geklaut.]

Ich möchte heute hier verkünden, dass ich eine tiefe, festsitzende Liebe wieder entdeckt habe, die schlief und jetzt langsam wieder erwacht. Wie ein Drache in einer Höhle, der erst das eine, riesige, lederne, beschuppte Augenlid öffnet, bevor er sich des funkelnden Juwelenschatzes um sich gewahr wird und sehr gut gelaunt auch das andere Auge öffnet, so erwacht langsam mit jeder Ubahn Fahrt und jeder belauschten türkischen Unterhaltung meine Liebe zu München. Ich bin der Drache.

Wieder in eine Stadt zu ziehen, die man schon einmal geliebt hat, ist unheimlich praktisch. Tatsächlich muss man sich nur daran erinnern, was einem früher hier Freude bereitet hat, und dann macht man es einfach wieder. Meine alte Tanzschule zum Beispiel gibt es noch. Meine Freunde auch. Politische Vereine meiner Geschmacksrichtung auch. Dann importiere ich mir noch die wenigen Dinge, die ich an anderen Städten lieben gelernt habe, wie Echsen und Fußball, und fühle mich rundum wohl.

Zumindest ist das der Plan. Wahrscheinlich scheitert er, wie das bei Plänen immer so ist, aber dann mache ich mir einfach einen neuen Plan. Es ist ja nur wichtig, dass man weiß, was man will. Es muss ja nicht unbedingt das Gleiche sein wie vor zwei Wochen.

Also zum Mitschreiben: Man importiere das Goebenstift und den Salamander nach München und alles ist gut. In einer Gleichung sähe das wie folgt aus:

Goebenstift + Salamander + München = +

[Plus! Das bessere x!]

Es wird nicht besser. Vor allem weil ich nicht über Bibi schreiben darf. Bibi ist nämlich ein Omega-Huhn auf dem Hof von F. Herb, und ich habe mich mit Inge drauf geeinigt, dass Bibi in meinem Text abwesend ist, und nur auftaucht, weil Frau Kraftschick sie nicht vermisst.

"Das ist Bibi" ist nämlich der Titel der nächsten Lesung, und das nur deshalb, weil Inge es geschafft hat, Bibi  durchzusetzen, und Ollis Panda, der sich dauernd aufgedrängt hat, auf der Strecke blieb. F. Herb ist übrigens auch garnicht mein ehemaliger Professor Friedrich Herb, sondern etwas, das auf einem Bierglas stand. Alle diese Elemente sind aus Ringgeschichten, die Salamandermitglieder traditionell gemeinsam an Sitzungsabenden verfassen. Sowas machen Salamander nämlich, kleine Texte schreiben, die andere dann weiterführen müssen. Dazu nehmen sie alle Mittel, die gerade opportun sind, auch wenn es sich um Bibi, F.Herb oder den Panda handelt. Salamander sind da skrupellos. Trotzdem möchte ich herzlich zur Lesung einladen, die da wäre am 22. Juli im Regensburger Dombrowski. Ich lese auch, aber nicht über Bibi, sondern über Frau Kraftschick.

Damit das nochwas wird, schreibe ich jetzt an eben jener Dame weiter.

Wednesday, June 15, 2011

Re-Visionen

Manchmal braucht man Abstand, um Perspektive zu gewinnen. Zum Beispiel Abstand vom ersten Tag in einer Wohnung. In meinem konkreten Fall sorgt der Abstand für gehörige Revision des ersten Urteils.

Erstens habe ich beim Suchen einer Hose gestern zwei Handtücher gefunden! Das beruhigte und trocknete mich ungemein. Come Vogon or high water, ich bin gewappnet.
Zweitens - und viel gravierender! - hat diese Wohnung nun wahrlich NICHT alles, was man so braucht. Der Flatscreen, der so groß ist, dass ich in der Diagonale drauf passe, ist schon cool. Aber, und das ist ein großes Aber, sie hat weder einen Wasserkocher noch einen Topf!
Da steht zwar eine Mikrowelle und ein Toaster, auch einen Dosenöffner gibt es, aber keine Pfanne, kein Topf, kein Gemüseschäler, nicht mal ein scharfes Messer.

Bizarrerweise passt wiederum die Gewichtung der Einrichtung zur Umgebung. In der Eckstraße befinden sich nämlich zwei Fahrrad-Reparaturshops und zwei Dönerläden nebeneinander, dafür aber kein Supermarkt. Völlig verzweifelt habe ich heute daher in Rewe im Tal Milch, Zucker und Joghurt gekauft. Immerhin liegt aber die Wohnung sehr nah bei meinen Eltern, so nah sogar, dass ich beim Spazierengehen plötzlich in ihrer Straße stand. So ging ich auf einen Ratsch vorbei und hatte so einen hübschen Absacker ohne Aufwand. Nach einem recht anstrengenden ersten Arbeitstag war das verdient und lohnenswert.

Tuesday, June 14, 2011

München ohne Handtuch

Jetzt hab ich tatsächlich mein Handtuch vergessen. Wer den Anhalter durch die Galaxis kennt, weiß, dass das ein Fehler ist, der über Leben und Tod entscheiden kann. Naja, vielleicht nicht unbedingt über Leben und Tod, oder nur in Extremfällen, aber doch über sehr viel Luxus und Bequemlichkeit. In einem Ein-Zimmer-Apartment in der Münchener Maxvorstadt sind die Folgen weit weniger verheerend, aber immer noch sehr nervig.
Jedes Mal, wenn auch nur ein Tropfen Wasser über meine Hände fließt, greife ich nach rechts an den Handtuchhalter und in die leere Luft, erinnere mich an mein Missgeschick und denke mir Homer Simpson gleich: D’oh!

Sonst sind der Umzug und die Neueinlebung erstaunlich fehlerlos abgelaufen. Zwar brach der Boden eines Kartons auf dem Weg von Auto zu Wohnung, aber nichts ging kaputt. Der Deckel war festgeklebt und so drehten wir die Kiste einfach um! Also auch kein Beinbruch. Sonst war alles reibungslos.
Um eins haben wir uns auf den Weg gemacht, um halb drei waren wir hier, eine Stunde später sind wir essen gegangen. Die Wohnung in Regensburg ist sauber und bis aufs Mobiliar leer geräumt, das Apartment hier hat alles was man braucht. Bei meinen Eltern bekam ich sogar noch ein Rad (und Spargel), mit dem ich soeben noch durch die Straßen Schwabings nach Hause fuhr. Mal wieder dachte ich (und ich werde es noch oft denken): München ist so schön. Ein leichter Regen hatte die Straßen benetzt und zum Glänzen gebracht. Es war eine laue Nacht. Kaum ein Auto kreuzte meinen Weg, auch nicht, als ich an meinem Lieblingsitaliener vorbeifuhr, der meinen Weg in ein warmes Licht tauchte. An den Straßen stehen fast überall Bäume, und schließlich stand vor meiner Hauseinfahrt ein knutschendes Pärchen. Was will man denn mehr vom allerersten Heimweg.

Auch die Handtuch-Misere nahm ein glückliches Ende. Unter einem Waschlappen in meinem kleineren Koffer habe ich zu guter Letzt immerhin einen Sarong entdeckt, was in Thailand durchaus als Handtuch gilt. Das ist ein Behelfsmittel. Ob es im Weltraum dazu führen würde, dass mir ein dahergelaufener Strag alles Mögliche leiht, vom Apfel bis zur Zahnspange, das weiß ich nicht. Meine letzte Hoffnung bleibt, dass die Vogonen erst morgen nachmittag angreifen, wenn ich mir ein Handtuch gekauft habe.

Monday, June 13, 2011

Abschied

Das Zimmer hallt schon. Morgen geht es auf an die Isar. Die Schränke sind leer, die Regale sind leer, der Magen ist voll, der Kopf quillt über und das Herz auch. Eben saß ich noch mit einer Freundin auf dem Bett und habe Kuchen gegessen, jetzt ist schon die letzte Nacht angebrochen.

Wie es immer so passiert, dass einem am Ende noch mal alles zugespielt wird, was wirklich wichtig war. Im Kreise einer sehr lieben Freundin traf ich Stefan, der Matthias mitbrachte und damit einen sehr lieben Menschen, der verschollen schien. Viel sehr gute Zeit habe ich mit den Dreien verbracht, und es ist eine Sauerrei, dass die Zeit verstreicht und plötzlich weg ist.

Da steh ich nun wie ein verspäteter Faust und denke mir: halt, da, gerade eben, da wollte ich doch sagen: "Verweile doch, du bist so schön." Können wir nochmal auf Anfang?

Aber das geht nicht. Nochmal erleben ist unmöglich, und so bleiben nur Fotos von Festen, Geschenke, Mitbringsel, Karten, und diese ungezählten kleinen Momente, wo man zwischen zwei Kursen völlig gestresst Kaffe mit Freunden trank, oder gemütlich im Kino saß und sich über Hollywoods Unrealismus aufgeregt hat, oder am Bismarckplatz saß und geratscht hat. So viele von diesen kleinen Momenten sind das, dass sie wie ein Mosaik ein riesiges Bild ergeben voller Farben und Leben.

Natürlich gab es auch die großen Momente! Theater- und Choraufführungen, bei denen man auf der Bühne stand, WM-feiern mit allen Lieben und der ganzen Stadt, durchzechte Nächte und gebrochene Herzen.
Aber die erscheinen so nichtig im Vergleich mit den vielen Süßigkeiten des Alltags, wie es gute Gespräche und friedliches Schweigen sind.

Schließlich steht unter dem allem ein Uni-Abschluss und ein paar Gesichter, die man sich merkt.

Schwer fällt es mir nicht, der Stadt den Rücken zu kehren. Ich hab hier nichts verloren. Es zieht mich in die Großstadt, in das schnelle Leben, in die Innenstadt ohne Wackersteine, auf denen man hohe Schuhe tragen kann. Es zieht mich in die Stadt mit der U-Bahn, wo man morgens Kaffee trinken und Zeitung lesen kann. Es zieht mich zur Familie und zu alten Freunden.

Aber ein, zwei handverlesene Menschen würde ich einfach gern mitnehmen aus Regensburg. Ich würde sie gern wie bei diesen Automaten mit den Greifarmen aus dem Gewühl herauspicken und nach München setzen, irgendwo in meine Nähe, damit ich anrufen kann und sagen: "Du, ich brauch grad ne Pause, lass uns Kaffee trinken gehen." Oder: "Hey, heut abend spielt n Bekannter von mir ein Konzert, magst mitkommen?" Oder: "Mir is fad, kann ich vorbeikommen?" Oder: "Ich lad dich zum Essen ein, komm vorbei."

Nun, ich bin erwachsener geworden, oder zumindest älter, und bin mir sicher, dass ich das auch so hinkriege, eben jenes zu den Menschen zu sagen und in die Tat umzusetzen. Nur vielleicht mit ein, zwei Tagen Planung.

Ob erwachsen oder nicht, zumindest weiß ich mehr als vorher. Zwei Dinge  bin ich aber mit Sicherheit geworden: das eine ist Politikwissenschaftler. Ich liebe mein Fach und werde Graham Allison oder John Lewis Gaddis immer jedem erfundenen Krimi vorziehen.
 Das zweite, was ich geworden bin, ist ein Salamander. Wo doch alle Menschen irgendwo ihren persönlichen Schlag haben, ist es doch erstaunlich einen Kreis von Menschen zu haben, der den gleichen Schlag hat wie man selbst. Ich bin gern ein Salamander.

Nein, verloren habe ich in Regensburg nichts. Aber einiges gewonnen, und dafür bin ich dankbar.

Es war eine schöne Zeit, und Regensburg ist immer noch und war Heim von ein paar wundervollen Leuten. Und von ein paar deppen. Aber wen interessieren die schon. Wenn man so zurück schaut und der Blick von Tränen verklärt ist, sieht man ja doch nur die großen, wichtigen Dinge, die sich festgesetzt haben, wie die Freunde, die immer für einen da sind und die schandhaft hässliche Uni, in der man so lang festsaß. Das Wichtige wird in München weiter geführt werden, der Rest verliert sich im Nebel. So soll das auch sein.